Der Zwinger

Anno 1985 nahm das Schicksal seinen Lauf....die Neufi-Sucht hielt bei uns Einzug. “Racker`s Carus v.d. Linde” hieß die Einstiegsdroge. Mein Sohn war damals 4 Jahre alt, und so sah das Ganze aus:

Leider wurde mein Carus nicht sehr alt. Ihn ereilte ein früher Herztod, und das machte mich sehr sensibel für meine spätere Zucht, an die ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht dachte. Zunächst stürzte eine Welt für mich ein. Gerade, als ich meinen geliebten Neufi zu dem besterzogensten Hund auf dieser Welt gemacht hatte und eigentlich nur zum Impfen zum Tierarzt ging, bekam ich die schreckliche Nachricht, dass ich ihn wahrscheinlich keine zwei Wochen mehr haben würde. Und aus diesen vermeintlichen zwei Wochen wurden nur fünf Tage!

Ich wollte nie, nie wieder einen Neufi haben! Welcher Hund sollte Carus ersetzen? Es folgten vier tränenreiche Monate, und dann war ich auf dem Weg nach Dänemark. Der Entzug war zu stark. Keiner schnarchte mehr an der Haustür, sodass es durchs ganze Haus zu hören war, keiner verlor seine Haare, sodass sie in Büscheln über die Fliesen wehten, keiner kam zum Betteln in die Küche, keiner jagte mehr mit dem Kater zusammen Mäuse, und so ließe es sich nahezu endlos fortführen.

Ich holte mir also einen Sohn von “Topsy`s Donazetti”. Er war ein wunderschöner Kerl. Mit vier Monaten meinte ich allerdings zu sehen, dass irgendetwas an seinem Gang nicht stimmig war. Alle hielten mich für verrückt. “Der spielt doch so wackelig, wie alle Welpen”, bekam ich immer wieder zu hören. Mit sieben Monaten ging er lahm, und die Diagnose beim Tierarzt war niederschmetternd! Schwerste HD, mit der Maßgabe, ihn sofort einschläfern zu lassen. Wie in Trance fuhr ich nach Hause, natürlich mit meinem Hund. Aber lange geschafft haben wir beide es dann doch nicht mehr. Er war dreizehn Monate, als ich diesen letzten schweren Gang dann doch antreten musste.

Nun war das Maß voll,....meinte ich. Aber ich unterschätzte damals ganz enorm dieses Suchtpotential. Am zweiten Weihnachtstag 1990 wurde “Eventus v. Riesrand” geboren, den ich dann zehn Wochen später bei Evi Großhauser abholen durfte. Es war der liebste Rüde, den man sich vorstellen kann, und er wurde vierzehneinhalb Jahre alt! Zwar lebte er sein Leben bei meinem geschiedenen Mann zu Ende, weil im Zuge der Scheidung mein erstes Mädchen “Nortia a.d. Mackenmühle” bei mir einzog und mein Mann Eventus gern bei sich behalten wollte, aber dieser Rüde hat mir das Vertrauen wiedergegeben, dass auch ein Neufi alt werden kann. Und auch meine Nori ist mittlerweile ein “altes Mädchen” von zwölf Jahren und fit wie ein Turnschuh. Sie begründete meinen Zwinger “Ursus carus”, und ich bin unendlich stolz auf diese kleine zähe Hündin, die 25 Welpen das Leben schenkte, sehr streng und geradlinig ihre Kinder erzog und das entstehende Rudel führte, und bis heute eine ungeheure Ausstrahlung auf das junge Gemüse hatte. Danke, Heidi Zboralski, auch wenn du es nicht mehr lesen kannst, für diese wunderbare Hündin!


Abschied von Nori

Nori

Nortia a. d. Mackenmühle      

*13.05.1994      +12.01.2007

Meine liebste Nori, ich habe so sehr gehofft, du schaffst die magische 13! Deine Geburt hatte den Freitag, den 13., zu unserem Glückstag gemacht. Und wieder an einem Freitag musstest du mich allein lassen.                   

Mit einer Vehemenz, die unfassbar ist, ließ die Kraft deines Körpers nach. Und du wusstest genau, wann der Zeitpunkt für den Abschied da war, viel eher, als ich zu begreifen imstande war. Dein Geist war so wach bis zur letzten Stunde, und die Gebrechlichkeit deines Körpers seit dem Silvesterabend, dem ersten Zusammenbruch, war dir so peinlich, dass es mir fast das Herz zerriss. Dein Gesicht war voll Scham, als ich dir in deinen letzten Tagen mit einer Trageschlaufe beim Pipimachen helfen musste. Aber ich habe dich so lieb gehabt, und ich hätte dir noch so lange geholfen, wie es in meiner Macht gestanden hätte, wenn ich nur noch ein wenig länger deine unglaubliche Ausstrahlung auf deine Nachkommen, deine Familie hätte erhalten können.                                                                          

Kein Mensch hätte auch nur annähernd gewusst, wann seine Präsenz, seine Nähe so vonnöten war, wie du. In meinen schlimmsten Tiefpunkten schob sich immer dein Kopf unter meinen Oberarm, fast fordernd, mich nicht hängen zu lassen. Du warst und bleibst für mich eine Ausnahmehündin, ein Geschenk des Himmels und ein Privileg, mit dir eine Zucht beginnen zu dürfen. Deine wunderbaren Kinder halten dein Andenken aufrecht. Eine leise Ahnung besteht, dass eine deiner Enkelinnen in deine Fußstapfen zu treten imstande sein könnte.

Du fehlst mir so sehr! Deine Futterschüssel bleibt leer, dein Platz beim abendlichen Betthupferl ist leer.....Ich bin so traurig und vermisse dich furchtbar! Aber ich weiß, dass dir nun nichts mehr weh tut und dir nichts Böses mehr geschehen kann. Du hast einen festen Platz in meinem Herzen und bleibst immer in meiner Nähe.

Abschied von Nori1

Abschied von Baia

Baia

Ursus carus Ambubaia

*22.01.1997   +17.08.2007

Meine geliebte Baia, am 17. August, nur sieben Monate nach dem Tod deiner Mama, bist du ihr in eine Welt ohne Leid und Schmerz gefolgt. Ich hatte schon immer geahnt, dass du Noris stolzes Alter nicht erreichen würdest, aber dass es nun so schnell gehen musste, hat mich völlig aus der Bahn geworfen.

Du gehörtest zu den ersten Kindern, bei denen ich das Wunder der Geburt kleiner Neufis erleben durfte. Ihr wart sieben Mädchen und euer einziger Bruder saß oftmals außen vor und beobachtete euer Treiben. Zehn Jahre und sieben Monate sind es nun schon her, die an uns nur so vorbeirauschten. Ich kann es noch immer gar nicht fassen!

Du hattest einen wundervollen Charakter! Nie hast du dich auch nur ansatzweise an Rangordnungskämpfen beteiligt, die von Zeit zu Zeit üblicherweise anstehen. Manchmal schien es, als hättest du kopfschüttelnd daneben gestanden, als deine jüngere Schwester Tini – immerhin auch erst im stolzen Alter von fünf Jahren – eurer Mutter die Führung streitig machte. Du warst eine immer zufriedene Hündin, die bis ins Detail ihr Ritual im Tagesablauf brauchte. Dann war deine Welt in Ordnung!

Bis zur letzten Sekunde bin ich den Weg mit dir gegangen – du warst so vertrauensvoll, dein Kopf lag in meinem Schoß und deine Rute wedelte und wedelte.... Wir haben dir ein paar Tage voller Leid erspart.

Auch auf unserer letzten Fahrt nach Roermond waren wir keinen Augenblick getrennt. Du bist anschließend in meinen Armen wieder mit nach Hause gefahren und schläfst jetzt für immer mit deiner Mutter zusammen an meinem Bett.

 

Abschied von Baia

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